Update Working Group «Frauengesundheit und Demenz»: Geschlechtsspezifische Aspekte der Demenz mit Fokus auf Frauengesundheit in Prävention, Diagnostik und Therapie

Aug. 5, 2026 | SMC Verein

Von der Working Group «Frauengesundheit und Demenz» wurde in den letzten Monaten ein Positionspapier entwickelt. Es untersucht geschlechtsspezifische Aspekte der Demenz unter besonderer Berücksichtigung der Frauengesundheit und leitet daraus Schlussfolgerungen für Prävention, Diagnose, Therapie, Forschung und die Planung des Schweizer Gesundheitssystems ab.

Das Paper vereint Literaturrecherche, interdisziplinären Austausch sowie die konsensorientierte Einordnung von Demenzsubtypen, Verlaufsmustern der Alzheimer-Krankheit, neuropsychologischer Beurteilung, Prävention, medizinischen Interventionen, sozialen Rollen, Forschungslücken und digitalen Perspektiven.

Ergebnisse: Frauen sind nachweislich häufiger von der Alzheimer-Krankheit betroffen und können einen schnelleren Verlauf (von einer leichten kognitiven Beeinträchtigung zur Demenz) mit steilerem kognitivem Abbau sowie spezifische neuropsychologische Profile aufweisen. Stärkere verbale Gedächtnisleistungen von Frauen können die frühe Alzheimer-Pathologie verschleiern und die Diagnose verzögern, was die Notwendigkeit einer longitudinalen, individualisierten Beurteilung unter Verwendung von aktuellen alters-, bildungs-, und geschlechtsangepassten Normen unterstreicht. Präventionsmassnahmen sollten frauenspezifische Risikokonstellationen wie kardiometabolische Veränderungen nach der Menopause, Depressionen, lebenslange kognitive Aktivität, Hörverlust und stressbedingte Belastungen durch Pflegeaufgaben berücksichtigen. Die Evidenz für eine Hormonersatztherapie oder geschlechtsspezifische medikamentöse Demenztherapie sind nach wie vor nicht schlüssig. Frauen sind in der Demenzforschung und in geschlechtsspezifischen Analysen weiterhin unzureichend vertreten.

Schlussfolgerung: Eine geschlechtsspezifisch ausgerichtete Demenzversorgung ist für eine angemessene Diagnostik, rechtzeitige Behandlung und wirksame Prävention unerlässlich. Die klinische Praxis, Forschungskohorten und die Politik in der Schweiz sollten geschlechtsspezifische Erkenntnisse systematisch einbeziehen, um die Hirngesundheit von Frauen und die Demenzversorgung zu verbessern.